BiBerlinCamp 2012

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Übersicht

Es gab auf dem BiBerlinCamp 2012 folgende Sessions:

Ausführliche Protokolle der Sessions

Bi vs. Queer

„Ich verguck mich in einen Menschen. Ich verlieb mich nicht in Geschlechterrollen.“

In der Sitzung wurde zum einen besprochen, was die beiden Begriffe bedeuten und wie sie entstanden, und welche(n) Begriffe die TeilnehmerInnen wählen, um ihre eigene Sexualität zu definieren/ sich zu positionieren. Es wurde kurz geklärt: Was ist queer? Zum einen gibt es eine bewegungsgeschichtliche Entstehung, in diesem Falle ist aber die theoretische Entstehung und Entwicklung wichtig: queer beinhaltet explizit die Kritik an starren Kategorien, entstand aus der Schwarzen Frauenbewegung und dem triple-oppression-Ansatz. Bedeutet außerdem deutliche Kritik am Konzept von Geschlechter-Binarität (also der Annahme von 2 sich diametral gegenüberstehenden Geschlechtern). Als Ausgangspunkt wurde die Frage aufgeworfen, wie und ob es möglich ist, sich als „bi“ zu definieren und ein Statement zu setzen, ohne die Geschlechter-Binarität beizubehalten?

Die Teilnehmenden hatten unterschiedliche Gedanken zur Verwendung der Begriffe, insbesondere in Hinblick auf Annahme der Zweigeschlechtlichkeit: Der Begriff „queer“ soll eigentlich starre Kategorien auflösen, macht diese aber unsichtbar. Das bedeutet in der Praxis, dass Offenheit gegenüber allen Geschlechtern – inklusive Cis-Männern – verschleiert wird. Wenn die Teilnehmerin sich in queeren Zusammenhängen als queer definiert, bedeutet das, ihre Sexualität wird fremd-wahrgenommen als „mit Menschen aller Geschlechter, außer mit Cis-Männern.“ Sie hat sich daher einen strategischen Umgang angewöhnt, sagt manchmal bi, manchmal queer. Sie hat Probleme mit dem Label Bi-Sexualität, weil er im engen Sinne Trans-Menschen ausschließt. Eine andere Person berichtete, dass sie eine Zeitlang den Begriff pansexuell bevorzugte, da dieser auch Begehren von Trans-Menschen beinhaltet. Befürchtet dann aber wiederum, dass andere Menschen denken, mit allen Menschen ins Bett zu gehen. Dabei sei der eigene Standpunkt sehr simpel: „Ich verguck mich in einen Menschen. Ich verlieb mich nicht in Geschlechterrollen.“ Ein weiterer Teilnehmer verliebte sich vor einiger Zeit in eine bisexuelle Frau, die als Begriff „gay minor“ vorschlug. Queer kannte er damals noch nicht, ist erst über politische Parteien auf den Begriff queer gekommen. Er betrachtet queer als Gesamtgemeinde, aber sein Schwerpunkt ist bi. Als politischen Kampfbegriff bevorzugt er queer. Es wurde auch zu Bedenken gegeben, dass der Begriff queer verschiedene Bedeutungen für verschiedene Menschen hat, und weil er vielleicht nicht von allen “verstanden“ wird. Für die Eltern z.B. ist bi in Ordnung, aber queer wäre unverständlich. Eine weitere Teilnehmerin kritisiert, dass es eine Nicht-Reflektiertheit in der queeren Szenen gegenüber Lebensmaterialitäten gibt. Sie hat im Laufe der Jahre gemerkt, dass es große Unterschiede macht, in welchen Beziehungen man lebt: In gleichgeschlechtlichen Beziehungen hat sie viel weniger Privilegien als wenn sie mit einem Mann zusammen ist. Sie überlegt, ob bi-queer ein geeigneter Begriff ist. Ihr ist wichtig, mir ihrer Definition ein Statement zu machen. Es wurde weiterhin festgehalten, dass bisexuell und auch pansexuell nicht richtig definiert sind. Im englischen Sprachgebrauch sei Bisexualität jedoch besser festgelegt. Ein Teilnehmer hatte sich dafür entschieden, Bisexualität für sich selbst als „mehr als ein Geschlecht anziehend finden“ zu definieren. Von anderen wurde die Vorstellung eines Kontinuums zwischen homo und hetero aufgeworfen: „ich bin weder dieses noch jenes“. Wichtig erschien den meisten die Selbst-Definition der Sexualität mit politischem Bewusstsein zu koppeln. Es wurde daher das Bedürfnis geäußert, sich beispielsweise von (mit Frauen) verheirateten Männern, die schnellen Sex mit Männern haben, abzugrenzen, da diese weder „out“ noch ansatzweise politisch denken und handeln.

Als Problematik/Ausblick konnte festgehalten werden: der Begriff queer soll Verwirrung schaffen, ist aber leider relativ schwammig; andererseits befördern Begriffsdefinitionen das Schubladendenken, dem wir uns eigentlich zu widersetzen versuchen. Wir sind zwar im Alltag immer noch mit Geschlechterkategorien konfrontiert, aber wünschenswert wäre mehr Offenheit innerhalb der Kategorien, weg von Aussagen wie „Wenn du eine Hetero-Beziehung hast, bist du nicht queer!“

Bi-Visibility

„Es ist schwer, sich nach außen zu zeigen, wenn man sich der eigenen sexuellen Identität nicht sicher ist“

Grundfrage: Wie kann Sichtbarkeit für das Thema Bisexualität schaffen? Frage: Warum ist es so schlecht, wenn man nicht sichtbar ist?

Weil viele, vor allem junge Menschen, einen Anlaufstelle brauchen, bei der sie Rat bekommen Es entsteht eine Diskussion darüber, dass inzwischen manche Film- und Fernsehrollen homosexuell konzipiert sind, eine bisexuelle Rolle kennt niemand. Auch Interessensgemeinschaften von Homosexuellen ignorieren das Thema, das B in LGBT wirke manchmal wie Heuchelei

Idee: Es sollte ein Fundraising für einen Film geben, der bisexuelles Dasein veranschaulicht.

Bevor man sich zeigt, muss man sich erst einmal zusammenfinden. Das Barcamp ist dafür ein Beispiel. Beim schwulen-Treffen sind viele, beim Bi-Treffen nicht. Woran liegt das? Eine Antwort kennt niemand. Eine Idee: für viele ist es nicht problematisch, zwischen Szenen zu wechseln.

Frage: Wie definieren wir Bisexualität? Was ist der kleinste gemeinsame Nenner für Bisexualität?

Die Diskussion wird schnell in eine andere Richtung gelenkt, da offenbar große Uneinigkeit darüber herrscht, was der Begriff eigentlich meint.

Frage: Warum wird das Thema derart ignoriert?

Anders als Homosexualität taucht Bisexualität in Aufklarungsmaterial nicht auf. Erfahrung mit ZEIT-Online: Der bloße Bericht über einen bisexuell empfindenden Menschen wurde abgelehnt, weil darin zu wenig dramatisches Potential gesehen wurde Schwule, Lesben und Transsexuelle haben Angst vor öffentlichen Angriffen überwunden, Bisexuelle nicht. Bisexualität macht Anderen Angst. Denn darin liegt eine Form der Entgrenzung, eine Auflösung von Grenzen, die Homosexuelle nicht bedrohen.

Frage: Wie vermittelt man, dass darin keine Bedrohung liegt?

Wissenschaftlichen Studien: Niemand kann konkrete Hinweise dazu geben. „Wir versuchen einer Welt, die in Kategorien denkt, Entgrenzung zu erklären. Für manche beinhaltet der Begriff Bisexualität nämlich eine neue Definition von Treue. Man darf dabei aber nicht den Eindruck vermitteln, dass einem alles egal ist und man für alles zu haben ist.“ Nur wenn man weiß, wovor das Gegenüber Angst hat, kann man ihm diese Angst nehmen Bisexuelle müssen den Druck ertragen, der entsteht, wenn man sich zu Bestehendem nicht zuordnen kann. „Heterosexualität ist ein schwaches, 2000 Jahre altes Konstrukt, das durch das Gegenmodell Homosexualität gestützt wird“ Es gibt nicht einmal Witze über Bisexualität: Ein Zeichen dafür, dass sie gesellschaftlich nicht wahrgenommen wird. Bisexualität passt in die Flexibilisierungstendenz der Gesellschaft und ist damit künftig massentauglich“.

Hinweis: Theorie der polysexuellen Ökonomie, Bini Adamczak Sichtbarkeit von Bisexualität muss nicht mit der Auflösung von Rollenbildern einhergehen

Was sich die Teilnehmenden wünschen:

  • Ich wünsche mir Sichtbarkeit
  • Ich wünsche mir Überdenken des bestehenden Verständnisses von sexueller Identität
  • Ich will mich entspannen können
  • Ich will Institutionen, wie Medien oder Beratungsstellen, die Bisexualität erklären
  • Ich will Sichtbarkeit in politischen Bewegungen
  • Ich will Initiativen, die Mut machen über Grenzen hinaus zu fühlen und zu denken
  • Ich träume von einer bisexuell geprägten Kultur, in der Aufwachsende das Gefühl haben, dass sie selbst alles frei wählen können
  • Ich möchte ernstgenommen werden und nicht als jemand gelten, der irgendetwas verdrängt
  • Ich will das Potential von Unsichtbarkeit und Unklarheit erforschen
  • Ich wünsche mir Subversion. Ich bin eine Zecke und so sehe ich das Thema auch
  • Ich wünsche mir Institutionen, die Angebote für bisexuell fühlende Menschen schaffen
  • Ich wünsche mir mehr theoretische Auseinandersetzung mit Fragen der Bisexualität

Bisexuelles Coming Out

Diese Sitzung war sehr persönlich. Eingangs gab es eine Runde, bei der die TeilnehmerInnen erzählten, wie sie mit ihrem bisexuellen coming out umgehen hinsichtlich flirten, kennen lernen, etc. Außerdem wurden Reaktionen und Schwierigkeiten beim coming out ausgetauscht.

Einige TeilnehmerInnen berichteten, dass sie, sowohl wenn sie Männer als auch wenn sie Frauen kennenlernen, sehr früh von ihrer Bisexualität erzählen. Es wurden verschiedene Taktiken verglichen, manche sagen es z.B. nach dem ersten Knutschen, andere schon vorher wenn klar ist, dass sich etwas anbahnt. Andere sind davon abgekommen, erstens aufgrund schlechter Erfahrungen (z.B. Ablehnung von schwulen Männern nach dem bisexuellen coming out), oder auch aufgrund der Überlegung, welchen Eindruck man vermitteln möchte. Die Frage, die sich selbst gestellt wurde, war: Wenn ich mich so früh als bi oute, will ich damit andeuten, dass ich morgen mit jemand anders knutsche? Oder dass ich in 10 Minuten eine Frau/einen Mann küsse? Jemand anders meinte, man solle es vielleicht etwas langsamer angehen, da ja durchaus Stoff für Konfrontation vorhanden sei. Er selbst habe Ablehnung erfahren, als er mit einer Frau zusammen war: einige schwule Männer hätten sich aus seinem Freundeskreis zurückgezogen. Ein anderer Teilnehmer erzählt, wie sehr es ihn nervt, sich immer wieder erklären zu müssen. Für ihn seien andere Identitäten viel wichtiger. Mehrere TeilnehmerInnen berichteten, dass sie in verschiedenen Szenen/Zusammenhängen mehr geoutet sind als in anderen, und dass sie entsprechend auch unterschiedliche Ablehnung erfahren haben. Beispielsweise berichteten zwei Frauen, dass sie in der queeren Szene eher nicht out sind bzw. als lesbisch wahrgenommen werden, und unter der Unsichtbarkeit leiden. Einige berichteten, dass sie in heterosexuellen Kontexten positive Erfahrungen gemacht haben, in homosexuellen Zusammenhängen jedoch eher Ablehnung erfuhren. Thematisiert wurde auch Bisexualität im Zusammenhang mit Polygamie. Ein Teilnehmer erklärte, er bevorzuge ein frühes bisexuelles Coming out bei einer/m potenziellen PartnerIn, um die Möglichkeit der Mehrfachbeziehung mitzuteilen. Ein anderer bestätigte, dass es oft Schwierigkeiten gibt mit Poly-Konstellationen, und dass man viel an den Beziehungen arbeiten muss. Für einige TeilnehmerInnen war es hingegen wichtig darauf hinzuweisen, dass für sie die Thematik Mono/Polygamie vom Thema Bisexualität abgegrenzt sei, dass es keine direkten Zusammenhänge gibt, und dass sie diesen konstruierten Zusammenhang als störend empfinden. Hinweis, dass viele Bisexuelle in monogamen Beziehungen leben und andererseits viele polygam lebende Menschen hetero- oder homosexuell seien. Im Anschluss daran gab es einen Austausch darüber, wie auf Arbeit, in der Familie, und im erweiterten Freundeskreis mit der Bi-Sexualität umgegangen, bzw. ob diese thematisiert wurde/wird. Vor allem ging es um den Umgang mit Ablehnung. Einige TeilnehmerInnen äußerten, dass es von seiten der Eltern und Großeltern Schwierigkeiten gab/gibt, die Bisexualität zu begreifen; viele seien verwirrt: einmal wird ein Mann, einmal eine Frau mit nach Hause gebracht. Manche haben Angst davor, und es deshalb noch nicht gesagt. Ein Teilnehmer berichtete, dass seine Sexualität von seinen Eltern vehement abgelehnt und ignoriert wird. Andere erzählten von einem jahrelangen „Kampf“ mit den Eltern. Mehrere Männer, die erst ein schwules coming out hatten, berichteten, sie hätten sich vor einem späteren bisexuellen coming out längere Zeit gedrückt, aus Furcht die „frühere Arbeit zunichte zu machen“. Es wurde außerdem betont, dass es auch wichtig ist, WIE man es erzählt, dass es z.B. sehr wichtig ist, sich selbst darüber sehr klar zu sein, weil man dann auch eher ein Gefühl der Klarheit vermitteln kann. Auch wenn einem oft erklärt wird, man sei in einer „Phase.“ Einige Leute meinte, das sei ihnen egal: die Eltern/Großeltern könnte ruhig verwirrt bleiben. Andere leiden unter Ignoranz gegenüber Gefühlen, wenn ihnen erklärt wird: „Such dir doch aus in wen du dich verliebst!“ Ein anderer Teilnehmer unterscheidet klar zwischen seiner biologischen Familie und seiner Wahl-Familie. Doch selbst im Freundeskreis habe er das Gefühl, dass die Leute ein falsches, starres Bild von ihm haben. Im Arbeitsumfeld gibt es auch unterschiedliche Erfahrungen und Einstellungen. Einige TeilnehmerInnen finden, dass es KollegInnen nichts angeht, denn im Arbeitsumfeld haben private Themen nichts verloren. Andere finden es wichtig, im Kollegium out zu sein. Ein Teilnehmer ist trotz homophoben Umfelds out, vertraut darauf, dass gewisse Regeln eingehalten werden. Eine Teilnehmerin erzählt, als sie einer Kollegin erzählte, frisch verliebt zu sein, habe sie sich sehr über deren Rückfrage gefreut: „Mann oder Frau?“ Thematisiert wurde auch, wie in verschiedenen sportlichen communities Nicht-Heterosexualität behandelt wird. Ein Teilnehmer berichtete von seinem Schock beim Surfen: die Szene sei sehr homophob, und dabei merkte er, wie wichtig ihm ein offenes Umfeld ist. Gleichzeitig sei die Szene aber sehr homoerotisch, es gäbe jedoch eine stille Übereinkunft: nur gucken, nicht darüber reden. Erst seit 1 Jahr gäbe es eine internationale Vernetzung schwuler und bisexueller Surfer. Die Sitzung war für viele TeilnehmerInnen ermutigend. Fast alle haben Probleme beim coming out erlebt, der Austausch darüber war gut. Es wurde festgestellt, dass man sich in einem bisexuellen Kontext wie diesem wohl fühlt, weil man sich nicht rechtfertigen muss.

Bisexualität und Gewerkschaften sowie politische Parteien

In der Session wurden die Möglichkeiten diskutiert, die Vertretung von Interessen der Bisexuellen in Gewerkschaften und Parteien zu verbessern. Außerdem wurden Vorschläge für Antidiskriminerungsmaßnahmen diskutiert.

Am Anfang der Session wurde die unterschiedliche Unterstützung von Bisexuellen in britischen und deutschen Gewerkschaften aus der Sicht eines Teilnehmers dargestellt. In Großbritannien gibt es in vielen Gewerkschaften LGBT Vertretungen mit gewählten Vertreter/innen von bisexuellen Mitgliedern.

In der Gewerkschaft Unison (vergleichbar mit ver.di), zum Beispiel, gibt es ein Leitfaden für die gewerkschaftliche Unterstützung von bisexuellen Arbeitnehmer/innen am Arbeitsplatz. Arbeitnehmer/innen können sich bei Diskriminierung vertraulich an die Vertreter/innen wenden, ohne sich outen zu müssen.

In der GEW gibt es getrennte Gruppen für Lesen und Schwulen, aber keine gemeinsame LGBT Vertertung.

In Ver.di sowie im DGB gibt es LGBT Gruppen. Der Teilnehmer hat keine bi-spezifische Arbeit oder Beiträge gefunden.

Was die politischen Parteien betrifft, wird es in der nächsten Ausgabe von Bijou wird es einen Bericht über Interviews mit Hamburger Politiker/innen geben. Die politische Vertretung der Interessen von Bisexuellen in Verbänden wie ILGA ist nicht einfach. Biphobie wird nicht als eigenständiges Thema behandelt, sondern unter Homophobie subsumiert.

In den letzten Kampagnen gegen Homophobie in Berlin gab es Fotos von Lesben, Schwulen und Trans-Menschen aber keine von Bisexuellen. In Aufklärungsbüchern gibt es höchstens Lippenbekenntnisse zur Bisexualität. Nach den ersten Seiten wird nur noch von Lesben und Schwulen gesprochen.

In einer britischen Studie wurde berichtet, dass über 50% der bisexuellen Männer nicht offen über ihre sexuelle Orientierung reden können/wollen. Dies warf die Frage auf, ob in Deutschland die BiNe e.V. eine ähnliche Rolle wie die gewerkschaftlichen Vertrauensleute übernehmen. Dies ist personell nicht machbar.

Ein Teilnehmer hat angeboten, eine Version des UNISON Leitfadens auf Deutsch zu verfassen und an den BiNe e.V. Vorstand zu schicken. Der Vorstand könnte den Leitfaden an die Gewerkschaften und Personalräte  weiterleiten. Wir müssen auch versuchen, Bi-Visibility in Öffentlichkeitskampagnen zu erhöhen. Z.B das Fehlen von Bisexuellen anzumahnen oder in solchen Kampagnen von vorne hinein mitzuwirken.

Bi-Kultur

„Dass wir uns hier zusammenfinden, ist gelebte Bi-Kultur. Wir formen sie gerade selbst.“

Die Teilnehmer äußern zu Beginn, warum sie der Frage nach einer eigenen Bi-Kultur nachgehen wollen:

  • weil ich mich weder im Umfeld von Heterosexuellen noch im Umfeld von Homosexuellen dauerhaft wohl fühle
  • weil ich mich nicht einer Szene zuordnen lassen will. Damit sind spezifische Erwartungen verbunden.
  • weil ich nur in der Gesellschaft von Bisexuellen das Gefühl habe, mich nicht erklären zu müssen.
  • weil Bisexuelle einander eine Art Heimat geben können. Sie reden nicht aneinander vorbei.
  • weil ich nicht weiß, wie ich das Gefühl einer Identität gewinnen kann. In anderen Umfeldern fühle ich mich nicht ernstgenommen.
  • weil ich müde bin, mich selbst zu erklären, und ein Umfeld suche, in dem ich das nicht muss

Insgesamt äußern Teilnehmer die Hoffnung auf: Wertschätzung, Toleranz, Akzeptanz, auch von scheinbarer Unsicherheit

Diskussion zu Toleranz: Wohlbefinden entsteht auch, wenn klar ist, dass man einander nicht verstehen kann, aber sich dennoch nicht erklären muss. Dies ist ein Problem jeglicher Minderheit.

Diskussion Politik: Der Begriff Bi-Kultur kann nicht nur auf ein Umfeld verweisen, in dem wir uns wohl fühlen. Er muss auch eine politische Forderung nach Sichtbarkeit meinen.

In der Diskussion werden verschiedene Fragen aufgeworfen, aber nicht im Konsens beantwortet:

  • Gibt es Menschen, die sich in allen sexuell unterschiedlichen Umfeldern gleichermaßen wohlfühlen?
  • Welchen Wert könnte eine eigenständige Bi-Kultur haben?
  • Gibt es zwei Bis, die gleiche empfinden?
  • Kann ich es selbst ertragen, wenn ich selbst nicht in Kategorien denke?

Einige Thesen und Ideen von Teilnehmern:

  • Homosexuelle werden öffentlich akzeptiert, weil sie heterosexuelle Verhaltens- und Beziehungsmuster übernehmen
  • eine eigenständige Bi-Kultur öffnet zwar eine neue „Schublade“. Aber nur dies erlaubt anderen, sich daran zu gewöhnen
  • Auch als Bisexueller ist man begrenzt. Denn wenn man sich selbst als solcher versteht, schließt man andere sexuelle Empfindungen und Lebenskonzepte für sich selbst aus.
  • Vielleicht sollten Bis das Leben stärker als Spiel empfinden; Rollen so lange annehmen, wie sie willkommen sind. Denn Begrenzungen vereinfachen das Leben. Die Tendenz von Bisexuellen, Grenzen aufzulösen, verkompliziert das Leben dagegen.
  • Manche behaupten, jeder Heterosexuelle sei bi. Das ist anmaßend, heißt es einstimmig. Manche Teilnehmer berichten aber von der Erfahrung, dass heterosexuelle Normen sich auflösen, wenn Menschen wirklich einander begegnen.
  • Bis können bislang nur partizipieren, aber keine eigene Botschaft senden. Damit sind sie nicht existent für die Gesellschaft.
  • Manche Außenstehende glauben, Männer könnten homosexuell empfinden, um aus heterosexuellen Beziehungen zu fliehen.

Einige Hinweise aus der Gruppe:

  • In Wien gibt es angeblich eine Bi-Sauna
  • „Meeresfrüchte“, einer der wenigen explizit bisexuellen Filme
  • In Dresden soll im kommenden Jahr eine Performance zum Thema stattfinden
  • Es gibt/gab Treffen in Butzbach, Meschede und im Waldschlösschen

Diskriminierung von Bisexuellen

Es wird von einem taz-Artikel berichtet, in dem eine Studie vorgestellt wurde, die besagt, dass die größte Angst von 15-jährigen Jungs wäre, als homosexuell zu gelten oder es tatsächlich zu sein. Auch gebe es noch mit 40 Männer, die sagen: „Ich bin nicht schwul, habe nur Sex mit Männern.“

Nach einer kurzen Einleitungsdiskussion wird sich darauf geeinigt, dass wir nicht Diskriminierungsformen und Biphobie-Punkte aufzählen, sondern konkret über Flyer reden. In England gibt es eine Aufklärungsbroschüre, bei dem keine Fotos von Personen abgebildet sind. Die BiNe-Broschüre enthält eher Fotos von älteren Bisexuellen. So wird sie jüngere Leute nicht so direkt ansprechen. Einer erklärt seine Idee von „Homosexualität ist für alle“. Ein Teilnehmer kritisiert, dass er sich nicht als Homosexueller, sondern als Bisexueller identifiziert und vor allem, dass vorbeilaufende Menschen den Sinn hinter dem Satz nicht verstehen würden. Bisexuelle nehmen ihn seiner Meinung nach nicht mit, weil er nicht klar macht, dass es für sie ist. Heterosexuelle denken, es hätte nichts mit Bisexualität zu tun und würde sich um ein Missionierungs-Flyer halten. Ein Teilnehmer hat schon lange die Idee eines Flyers für jugendliche und junge Bisexuelle. Er hatte schon mal einige junge Männer (18-24) bei gayromeo angesprochen, ob sie für ein kurzes Statement und ein Foto bereit wären. Ein paar hatten Interesse, es fehlt aber die Vorlage für den Flyer, um konkreter zu werden. Außerdem ist die Frage, wo man Kontakt zu jungen Bi-Frauen dafür bekommt. Ein anderer Teilnehmer hatte mal an einem audio-Beitrag zum Thema Bisexualität gearbeitet. Dabei haben sich mehr Frauen als Männer gemeldet. 250 waren angemeldet, 7 waren nur auch für ein Video bereit, was man bei youtube hochladen könnte. Es wäre eventuell sinnvoll, immer gleich Material für mehrere Zwecke zu sammeln. Der dritte Teilnehmer berichtet schließlich vom Projekt BiFly.org (http://BiFly.org): Die Idee ist aus einer Diskussion auf www.liebe-leben-leute.de vor ca. 3 Monaten entstanden. Es soll drei verschiedene Flyer-Typen geben: Bi4All: ein Flyer für Nicht-Bisexuelle zur Aufklärung über Bisexualität, Bi4Me: ein Flyer für Unschlüssige, d.h. Orientierungssuchende, könnte auch für Jugendliche geeignet sein, Bi2Bi: ein Flyer für Bisexuelle, evtl. als Info-Flyer mit regionalem Veranstaltungskalender usw. Dabei sind die Inhalte von Bi4Me am weitesten fortgeschritten. Die Seite BiFlyer.org wird mit einem Programm namens Mediawiki bearbeitet, der Umgang ist allerdings etwas schwierig, so dass die Mitarbeit bisher spärlich ausfiel. Es soll eine PDF-Version und eine Papierform erscheinen. Eine Finanzierung könnte über die Aidshilfe oder BiNe laufen. Es wird die Idee von open source/frei für jedermann/cco verfolgt, damit auch die Aidshilfe, die queer-Community einfach den Flyer runterladen kann, seine eigene Website dazu fügen und zum Druck geben kann. Es gab aber auch die Kritik in der Vergangenheit, dass es wichtig wäre, dass die AutorInnen genannt werden. Andererseits würden bei einem gemeinsamen Produkt viele AutorInnen beteiligt sein. Interessiert für die weitere Arbeit an dem Flyer wären 4-5 Personen. Eine zeitnahe Umsetzung eines ersten Flyers wäre sinnvoll, auch wenn er nicht perfekt ist. Ein Teilnehmer meint, er würde einen kleinen 6-Seiten-Flyer in einem Zeitrahmen von 1 Monat schaffen, wenn klar ist, dass seine Arbeit dann nicht umsonst wäre (das Produkt also akzeptiert würde). Als Arbeitstitel für den Flyer für Unschlüssige und/oder Jugendliche gibt es folgende Vorschläge:

  1. Bi4Me
  2. Homosexualität ist für alle!
  3. Meine Zukunft ist bi.
  4. Bisexualität leben

Die Titel sollen den anderen Aktiven vorgestellt werden. Eine Vorlage wird geplant. Danach können Gesichter für den Flyer gesucht werden.

Aktionen

Es wird berichtet, dass Beratungsstellen nachwievor biphob seien und dass das Jugend-Queer-Netzwerk lambda nicht auf Anfragen reagiert. Einer wurde dagegen von lambda kontaktiert, und die hätten Interesse am Kontakt. Es wird über Queer-AGs in der Schule berichtet. Es gibt eine Gruppe (Soorum, http://www.mhc-hamburg.de/?soorum_-_Aufkl%E4rungsgruppe), wo vor Jahren auch mal eine bisexuelle junge Frau mitgearbeitet hatte. Teilnahmen Bisexueller an CSDs werden von BiNe e.V. finanziell unterstützt. Es entsteht der Vorschlag, eine Seite einzurichten, auf der OrganisatorInnen Mitmachende suchen können, aber vor allem auch Leute ihre Hilfe für bestimmte Projekte anbieten können, die sie selbst aber nicht leiten wollen. Zunächst wird ein sogenanntes „Aktionsforum“ bei BiNe eingerichtet: http://aktionsforum.bine-forum.de/. Konkretes Interesse von den Teilnehmern, die sich darum kümmern wollen, gibt es für Folgendes:

  • Geheime Gruppe bei facebook (für Aktive) einrichten und sich um Stammtisch-Unterstützung kümmern
  • Bei CSDs mitmachen (Parade/Stand)
  • BiJou-Artikel auf facebook einstellen
  • Zu Organisationen/Veranstaltungen hingehen und Fragen zur Bisexualität stellen / Leute ansprechen
  • Aktionsforum einrichten
  • Flyer erstellen

Weitere Ideen sind:

  • Wissenschaftliche Konferenz organisieren
  • Nächstes Jahr wieder ein BiBerlinCamp
  • Etwas für junge Leute organisieren
  • CSD-Parade mit Wagen
  • Bi-Partys
  • Semi-regionale Treffen
  • Artikel für BiJou schreiben
  • Wissenschaftliche Studien unterstützen (Preisgeld)
  • Vernetzung über facebook und twitter
  • Werbung über gayromeo, joyclub usw.
  • Buch schreiben
  • Artikel in der Zeit usw.
  • Bei bisexualitaet.org mitarbeiten
  • Stammtischgründungen unterstützen
  • BiJous verteilen (an Aidshilfen, Bücherläden usw. schicken)
  • Unterschriftenaktionen
  • Kontakt zu Gewerkschaften
  • Politiker kontaktieren
  • Kontakte zu LSBTI-Organisationen